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European Maccabi-Football-Trophy als Julius-Hirsch-Erinnerungsturnier


m Zeitraum vom 28. April bis 1. Mai 2006 richtet der TuS Makkabi Berlin, gemeinsam mit der European Maccabi Confederation und Makkabi Deutschland die jährlich stattfindende Maccabi-Football-Trophy aus. Bei dieser Europäischen Fußball-Meisterschaft für Auswahlmannschaften werden die Maccabi-Nationalmannschaften aus Großbritannien, Ungarn, Russland und Deutschland aufeinandertreffen und ihren Europa-Champion ausspielen.

Seit seiner Gründung im Jahre 1970 war der TuS Makkabi Berlin heimatlos und hat nun endlich, nach einer jahrzehntelangen Odyssee über die Sportplätze Berlins, auf der Sportanlage im Eichkamp einen Heimsportplatz mit einem eigenen Clubhaus und somit ein Zuhause gefunden. Diese positive Wendung veranlasste den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Dr. Gideon Joffe, anlässlich der letztjährigen Chanukahfeier des Vereins, den Wunsch zu äußern, eine Sportveranstaltung ehemaligen jüdischen Nationalspielern zu widmen. Nach einigen geschichtlichen Recherchen entschloss man sich in Übereinstimmung mit der EMC und Makkabi Deutschland, das diesjährige Turnier dem in Auschwitz ermordeten jüdischen Fußballnationalspieler Julius Hirsch (1892-1943) zu widmen.


Julius Hirsch, genannt „Juller“, spielte von 1902 bis 1913 und wieder ab 1919 beim Karlsru­her Fußballverein (KFV), einem der damals führenden deutschen Fußballklubs. Hirsch, der auf der linken Seite spielte, war für seine „Bombenschüsse“ berühmt. Im Jahre 1910 wurde er mit seinem KFV Deutscher Meister und 1912 Vizemeister. Berufsbedingt wechselte Julius Hirsch zur SpVgg Fürth und gewann 1914 erneut die Deutsche Meisterschaft. Zu seinen Erfolgen während seiner aktiven Laufbahn als Spieler kann auch der fünfmalige Süddeutsche Meisterschaftstitel gezählt werden. Von 1911 bis 1913 hatte er in der Nationalmannschaft einen Stammplatz und spielte insgesamt sieben Mal für Deutschland. In einem Spiel gegen Holland 1912 erzielte er sogar vier Tore bei einem 5:5 unentschieden. Von den Fachleuten wird dieses Spiel zu den besten Länderspielen der deutschen Nationalmannschaft vor dem Ersten Weltkrieg gezählt. Bei den Olympischen Spielen in Stockholm im Jahre 1912 kam Julius Hirsch zweimal zum Einsatz.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten und den damit verbundenen Repressionen gegen die jüdische Bevölkerung kam er einem Ausschluss aus seinem geliebten KFV zuvor, in­dem er selbst am 10. April 1933 seinen Austritt erklärte. Er verwies dabei auf seine langjährige Mitgliedschaft und die für seinen Verein errungene Erfolge, außerdem nahm er Bezug auf seine Teilnahme am 1. Weltkrieg, in dem sein Bruder gefallen ist: „Nicht unerwähnt möchte ich aber lassen, dass es in dem heute so gehassten Prügelkinde der deutschen Nation auch anständige Menschen und vielleicht noch viel mehr national denkende und auch durch die Tat bewiesen und durch das Herzblut vergossene deutsche Juden gibt.“

Vereinslos – und damit in spielerischer Hinsicht heimatlos geworden, schließt sich Julius Hirsch nun dem jüdischen Turnklub Karlsruhe 03 im Sportbund ‚Schild’ des Reichsbunds Jüdischer Frontsoldaten an und arbeitet als Fußballtrainer. Die Heimspiele des KFV besuchte er weiterhin; ein treuer Fan „schmuggelte“ ihn heimlich ins Stadion. Dies musste heimlich geschehen, weil Juden der Zutritt verboten war. Im Jahre 1939 erschien in einer sehr großen Auflage ein Sammelbilder-Album, das die Fußballzeitschrift „Der Kicker“ herausgab. In dem Vorwort wird die Auswahl der Spieler folgen­dermaßen kommentiert: „Die deutsche Fangemeinde bleibt jenen Männern zu allen Zeiten dankbar, die einst das Trikot der deutschen Nationalmannschaft in Ehren getragen haben. Die großen Leistungen auf den Spielfeldern des Reiches und des Auslandes bleiben unvergessen.“ In dem Album sind rund 400 Spieler aufgelistet, die sich im deutschen Fußball bis dato verdient gemacht haben. Zwei berühmte Namen jedoch fehlen: Gottfried Fuchs (1889-1972) und Julius Hirsch, die beiden einzigen Juden, die jemals im Trikot der deutschen Nationalmannschaft gespielt haben. Gottfried Fuchs, der ebenfalls für den Karlsruher FV gespielt hat, erreichte sogar einen bis heute ungeschlagenen nationalen Rekord in einem Spiel bei der Olympiade 1912. Er schoss bei einem 16:0 Sieg gegen Russland 10 Tore. Diese radikale Zäsur in der Geschichtsschreibung macht deutlich, dass auch die Judenverfolgung vor dem Sport nicht halt gemacht hat. So sollte Julius Hirsch schon vor seiner Ermordung in Auschwitz aus der Erinnerung der deutschen Fußballfans ausgemerzt werden.

Bereits bei den ersten Vorbesprechungen zur Organisation des geplanten Turniers wurde durch Claudio Offenberg, dem sportlichen Leiter der Makkabi-Fußball-Abteilung des TuS Makkabi Berlin, die Idee geboren, im Rahmen der Meisterschaft die neue Heimat des TuS Makkabi, in Julius-Hirsch-Sportanlage umzubenennen. Dieser großartige Einfall wurde durch den Vorstand des Vereins begeistert aufgenommen und den politischen Entscheidungsträgern vorgetragen.

Zur Zeit diskutiert die Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf über eine Umwidmung der Sportanlage im Eichkamp in „Julius-Hirsch-Sportanlage“ anlässlich der European-Football-Trophy – eine längst überfällige Entscheidung, denn es wird höchste Zeit, sich auch im Bereich des Fußballs mit diesem Teil der Geschichte auseinander zusetzen und die Er­innerung an den einstigen Nationalspieler und Juden Julius Hirsch wach zu halten.

Dr. Swantje Schollmeyer -  Kuratorin der Ausstellung "Kicker, Kämpfer und Legenden. Juden im deutschen Fußball"
Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum

Tuvia Schlesinger  - Vorstandsvorsitzender TuS Makkabi Berlin


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